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Andreas Kossmann Fotografie

Kanada 2015, Tag 7: Planänderung

Obwohl wir gestern Abend recht lange gezaubert hatten, war die Nacht an Tag 7 bewusst früh zu Ende. Wir wollten heute unbedingt etwas mehr von der morgendlichen Stimmung in der Natur mitbekommen. So gab es nur eine schnelle Katzenwäsche und einen Kaffee im To-Go-Becher auf die Hand. Draußen war alles still und friedlich. Die Sonne versteckte sich noch hinter den Bergen. Ab und an quiekte ein Squirrel im Baum, mehr war nicht zu hören. In den übrigen Campern war auch noch keine Regung zu vernehmen. Nur unser Tourguide Andreas saß ebenfalls mit einer Tasse Kaffee bewaffnet an einem Tisch und genoß sichtlich die Ruhe. Wir schlenderten ein wenig am Rand des Campgrounds entlang, in der Hoffnung viellicht das ein oder andere Tier am frühen Morgen zu entdecken. Leider war es uns nicht vergönnt. So wie wir auf der gesamten Tour leider bisher recht wenig Wildtiere zu Gesicht bekamen. Sind wahrscheinlich alles Schönwettertiere… bei Schietwedder zeigt sich von denen auch keiner freiwillig.

Nachdem alle gefrüstückt hatten, hieß es wieder die Abfahrtbereitschaft herzustellen. Alle Sachen richtig verstauen, damit auch nichts durch die Gegend fliegt bei der wilden Fahrt.
Heute stand unsere kürzeste Etappe der gesamten Reise auf dem Plan. Unser nächstes Ziel, der Kicking Horse Campground in Field war keine 100km entfernt. Hoodoo Creek verabschiedete uns mit leichtem Regen, der sich auch die Fahrt über bis Field halten sollte. Entsprechend war unterwegs nicht das ganz große Kanada-Panorama zu genießen.

Kurz vor Field bogen wir zunächst ab, um zum ersten touristischen Highlight des Tages zu fahren. Um kurz nach 9 Uhr erreichten wir 10km abseits des Highway den Emerald Lake. Zu dieser frühen Uhrzeit muss man sich den Platz für die besten Fotos noch nicht hart erkämpfen, denn die „China-Busse“ kommen erst später. Der See liegt mit seinem türkisfarbenen Wasser vor uns und die umliegenden Berge sind leider weiterhin von grauen Wolken verdeckt. Aber… es regnt nicht mehr. Vorbei an der Emerald Lake Lodge starten wir unsere 5km-Wanderung um den See. Das Glück ist in den letzten Tagen wirklich nicht auf unserer Seite, denn nur wenig später setzt der Regen erneut ein. Ein Hoch auf unsere neuen Regenjacken! Wir versuchen trotzdem das beste daraus zu machen und stapfen munter weiter den Rundweg entlang. Das ein oder andere Foto wurde trotz Regen natürlich trotzdem geschossen. Als wir ziemlich genau halb um den See rum sind und eine unbewaldete Stelle durchqueren ist der Spaß vorbei. Der Himmel öffnet seine Schleusen vollends und spült auch den letzten Optimisten die gute Laune aus den Köpfen. Galgenhumor ersetzt den frei gewordenen Platz. Die restlichen 2,5km zurück zum Parkplatz stellt man sich hier und da die Frage, in welchem Film man eingentlich gelandet ist. So schlecht hatten wir das Sommer-Wetter in Kanada dann doch nicht erwartet. Gegen 11 Uhr war die Runde beendet und, natürlich, hatte es kurz vorher wieder aufgehört zu regnen. Ein ganz schlechter Witz!

Wir steuerten Field an und Andreas parkte den Konvoi in einer Seitenstraße, um als Vorhut alleine zum Informationscenter des Yoho Nationalparks zu fahren. Er wollte wohl kurz abklären, ob am geplanten Campground „Kicking Horse“ ausreichend Plätze frei sind und sich nebenbei den aktuellen Wetterbericht ansehen. Nach ca. 15 Minuten Warten meldete sich auf einmal das Funkgerät zu Wort:“Hi! Here is Yoho National Park Information.“ Was war das? Funkte da jemand auf unserer Frequenz!? Unfassbar. Naja, wenig später sahen wir den Wagen von Andreas. Er quatschte kurz mit 2-3 Leutchen von uns, die auf der Straße gewartet hatte und drehte dann auch schon wieder um. Dann kam die Info über Funk, diesmal wieder aus den eigenen Reihen:“Andreas hat sein Funkgerät im Infocenter vergessen. Ist gleich wieder da.“ Aha, also doch kein Piratenfunk. Die Jungs von der Info wollten nur Kontakt zu uns aufnehmen,  um den Verlust des Funkgerätes zu melden. Wir antworteten kurz. 5 Minuten später war Andreas dann mit Funkgerät wieder zurück und der Konvoi setzte sich wieder in Bewegung um den Campground anzusteuern.

Es war wieder genug Platz für 10 Mobile vorhanden und so wurden wir auf einer großen Wiese mit Stellplätzen geparkt. Um uns herum die Rockies. Trotz ein paar Wolken immer wieder ein grandioser Anblick. Aber wir sollten nicht lange hier bleiben. Es gab quasi nur ein kurzes Umsteigen, denn diesmal waren die „kleinen Wagen“ als Taxis auserkoren worden. Ein Abstecher in die Stadt Field stand auf dem Plan. So langsam durfte es auch etwas auf die Gabel geben. Wir stiegen bei den „Spacken“ (Insider!) zu und los ging’s.  Das Wetter meinte es wirklich nicht gut mit uns. Der Regen setzte wieder ein und das nicht zu knapp. In Field angekommen war uns einfach nicht nach gemütlichem Stadtbummel im Regen. Wir zogen es vor, sofort das nächste Cafe aufzusuchen. Aber wir waren nicht die einzigen, die dem Regen entkommen wollten. Alles voll. So mussten wir ein Haus weiter und bekamen mit Glück noch einen Tisch im „The Siding Cafe“. Kaffee und Kuchen waren jetzt genau das richtige und im Laufe der Zeit verirrten sich auch noch andere aus unserer Gruppe an dieses trockene und warme Fleckchen. Der Regen wollte nicht aufhören und so sahen wir wenig von Field. Bis auf das nächste Cafe, dass wir anschließend ansteuerten. Es lag direkt gegenüber und hieß „Truffle Pigs Bistro & Lodge“. Auch sehr gemütlich eingerichtet und wieder trafen wir auf andere Teilnehmer unserer Gruppe. Unter ihnen auch unser Guide Andreas. Diese Location hatte einen entscheidenden Vorteil. Kostenloses WLAN für alle! Endlich konnten wir mal wieder Kontakt zur Außenwelt bzw. zur Familie aufnehmen. Der Regen prasselte von draußen an die Scheibe und zu diesem Zeitpunkt keimte in  Andreas wohl zum ersten Mal die Überlegung, die geplante Route abzuändern. Egal wie, Hauptsache weg von dem Dauerregen. Sonst drohte evtl. auch die gute Stimmung in der Gruppe zu kippen.

Wenig später sammelte sich die gesamte Gruppe und bestieg die Camper. Der Regen hatte in der Zwischenzeit etwas nachgelassen und so beschloss Andreas vor der Rückkehr zum Campground mit uns noch zu den Takakkaw-Falls zu fahren. So ließen wir den Campingplatz links liegen und fuhren auf der Straße weiter Richtung Wasserfall. Sie schlengelte sich am Berg entlang und kurze Zeit später gelangten wir zu den „switchbacks“. Andreas hatte schon im Vorfeld von diesem Streckenabschnitt gesprochen, der so enge Kurven bereit hält, dass große Fahrzeug wie zB. unsere Wohnmobile nicht normal um die Kurve fahren können sondern stattdessen rückwärts den Weg nach oben in Angriff nehmen müssen. Dazu ein kurzes YouTube-Video (nicht von uns) zur Veranschaulichung:

Es dauerte etwas bis alle Fahrer den Dreh raus hatten aber am Ende haben alle dieses Nadelör gemeistert.
Auf dem Parkplatz der Takakkaw-Falls angekommen hatte zumindest der Regen aufgehört. Aber graue Wolken trübten weiterhin den Rundumblick in die Berge und irgendwie so langsam auch die Freude am Fotografieren. Jaja, es gibt kein schlechtes Wetter aber… DOCH! Gibt es!
Auf dem Weg zu den Fällen legte Andreas mit uns am Ufer des Wasserfallausläufers einen kleinen Fotostopp ein. Und während andere nach ihrem „Foto vor den Fällen“ sofort weiter gingen, verbrachten wir noch ein par Minuten dort und nahmen fotografisch mit, was wir kriegen konnten. Diesmal war es leider die falsche Entscheidung. Als wir wenig später bei den Fällen ankam, registrierten wir eine gewisse Aufgeregtheit in der Gruppe. Ein Bild auf einem Kameradisplay wurde immer wieder herumgezeigt. Was drauf war? Ein richtig schöner Schwarzbär, der an der anderen Uferseite in Höhe der Fälle aus dem Wald aufgetaucht und  dann ziemlich schnell auch wieder verschwunden war. Kurz kam sogar die Befürchtung auf, er hätte sich auf unsere Uferseite zubewegt. Aber von ihm war weit und breit nichts mehr zu sehen. Schade! Ich hätte ihn natürlich auch noch zu gerne vor die Linse bekommen. Alle bestaunten dann noch ein wenig das Naturschauspiel der Wasserfälle, machten Fotos und kehrten dann zu den Mobilen zurück. Tatsächlich riss zu diesem Zeitpunkt der Himmel etwas auf, so dass wir auf dem Rückweg noch einen Fotostopp einlegten. Man muss ja jede trockene Gelegenheit nutzen.

Nach der Rückkehr am Campground wurde noch schnell die Schutzhütte für das obligatorische Treffen am Abend ausgemacht. Dann gab es Zeit zur freien Verfügung. Während ich eine unserer regelmässigen Foto-Sicherungen auf dem Macbook vornahm, steuerte Dani das Waschaus an, um eine Dusche zu nehmen. Der Abend näherte sich mit großen Schritten und Dani hatte währenddessen im Duschhaus mit den technischen Tücken der Spannungsversorgung in Kanada zu kämpfen. Der Reisefön wollte nicht anspringen, da wir vergessen hatten den Drehregler auf die örtliche Stromspannung zu stellen. Fönen fiel daher aus und mit nassen Haaren für sie damit auch der Besuch im Shelter. Irgendwie hatten wir aber beide das Gefühl, dass eine kleine Auszeit nicht schlecht wäre und so entschied ich mich abends nur kurz zur Hütte zu gehen, um aus erster Hand die Planungen für den Folgetag zu erfahren. Da Andreas bei meinem Eintreffen noch nicht da war, nahm ich meine Kamera und machte noch ein paar Aufnahmen am Kicking Horse River. Die Zeit reichte dann auch noch für ein Bierchen ehe Andreas den Anwesenden mitteilte, dass er es wirklich für besser hielt, die Tour auf grund der miesen Wetterlage zu ändern. Die Gruppe begrüßte diesen Vorschlag und nahm auch gerne die Extrakilometer, die mit dieser Planänderung verbunden sein sollten, in Kauf. Anstatt als nächstes Banff anzusteuern, wollten wir am nächsten Tag jetzt also direkt den Waterton Lakes Nationalpark anfahren, das südlichste Ziel unserer Tour. Dort sollte laut Wetterbericht die Sonne scheinen. Einen Versuch war es alle Mal wert. Keiner hatte mehr Lust auf Dauerregen.
Nach dieser Bekanntmachung verabschiedete ich mich und zog mich frühzeitig zu meiner Frau in der Camper zurück. Die morgige Fahrt würde lang werden und so knipsten wir mal früher als zuletzt das Licht aus. Gute Nacht, Field!

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