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Kanada 2017: Tag 14 – Whale Watching

Die Vorfreude am Morgen des 14. Tages war groß. Unsere Whale Watching Tour stand auf dem Programm. Jippieh! Der Wettergott hatte für uns erneut blauen Himmel ausgesucht. Bis zum Tourstart zur Mittagszeit hatten wir aber noch etwas Zeit. Bei meinen Vorab-Recherchen zu Hause hatte ich einen weiteren interessanten kleinen Wanderweg ganz in der Nähe entdeckt.

Wir fuhren Richtung Long Beach, den wir ja gestern bereits ausgiebig genossen hatten. Der angepeilte Schooner Cove Trail beginnt an einem kleinen Parkplatz vor dem nördlichen Ausläufer des Long Beach. Vom Parkplatz aus ging es sofort in den gegenüberliegenden Wald. Mit einem Warnschild, dass auf Wölfe in der Region hinwies wurden wir auf den Trail geschickt. Der Weg durch den Wald verläuft komplett über Holzwege, sogenannten Board Walks, die mühsam auf den Boden gezimmert wurden, damit die Natur möglichst unberührt bleibt. Knapp 1.000 Meter durch urigen Wald, man könnte stundenlang weiterlaufen. Aber nach ca. 30 Minuten spuckte uns der Wald am schönen Schooners Beach wieder aus. Zur linken lag der Long Beach. Zur rechten einige Felsvorsprünge und gerade aus eine kleine Insel mit große Bäumen. Schon von weitem konnte ich oben im Baum den Umriss eines Adlers erkennen. Da er so hoch oben natürlich vor Menschen sicher war, machten er auch gar keine Anstalten wegzufliegen als wir uns näherten. So konnte ich ihn in aller Ruhe von unten fotografieren. Wir erkundeten noch ein paar andere Ecken und machten uns dann am späten Vormittag wieder auf den Rückweg. Schließlich lag das Highlight des Tages noch vor uns.

Bevor wir bei West Coast Aquatic Safaris eincheckten stärkten wir uns in dem kleinen Backshop den wir gestern entdeckt hatten. Wir waren dann zeitig in dem Ladenlokal des Touranbieters unserer Wahl. Zu Anfang wurden wir erstmal eingekleidet. Jeder bekam eine mehr oder weniger passende dicke Regenjacke verpasst, die gegen Fahrtwind und Wasserspritzer schützen sollte. Dann hieß es: Warten. Warten auf die Rückkehr des Tourbootes, dass noch mit einer früheren Gruppe unterwegs war. In der Zwischenzeit bekamen wir ausreichend Gelegenheit einen ersten Eindruck unserer Mitstreiter auf dieser Tour zu bekommen. Ein deutsches Paar mit 2 kleinen Kindern gab dabei ein besonders nervtötendes Bild ab, was sich aber später an Bord relativieren sollte.

Pünktlich um 13:30h wurden wir am Office von einem Teammitglied eingesammelt und zum Boot gebracht. An Bord durften wir uns erstmal in der großen Kabine einen Sitzplatz suchen und die obligatorischen Schwimmwesten anlegen. Dann ging’s auch schon los. Zunächst in Schleichfahrt aus dem Hafen raus. Wir hatten in der Zwischenzeit den Außenbereich des Bootes geentert. Man will ja schliesslich auch was sehen… was auch immer. Hoffentlich Wale natürlich.

Kaum hatten wir den Hafenbereich verlassen gab unsere Kapitänin Vollgas. Die schroffe Küstenlandschaft zog an uns vorbei während uns Fahrtwind und Gischt ins Gesicht peitschten. Dani zog es nach ein paar Minuten wieder nach drinnen. Ich kann Entfernungen auf dem offenen Meer ganz schwer schätzen aber wir waren gefühlt noch nicht allzuweit gefahren, da wurde die Fahrt auch schon verlangsamt. Eine Gruppe Orcas sollte ganz in der Nähe sein. Aufregung an Bord. Alle waren auf einmal an Deck und scannten die Umgebung. Wir hatten unsere Kameras schussbereit. Das Boot schaukelte vor sich hin. Das Meer plätscherte an die Bootswand. Still war es , von Walen nichts zu sehen. Und plötzlich tauchten sie fast neben uns auf. Das typische Geräusch ausblasender Wale lag in der Luft. Aber so schnell sie auftauchten, so schnell waren sie auch wieder unter Wasser verschwunden. Man hatte kaum Zeit, in Ruhe zu zielen. So schwer hatte ich mir das Fotografieren von Walen nicht vorgestellt. Trotzdem landeten natürlich ganz schnell einige Versuche auf den Speicherkarten. Ob brauchbar oder nicht würde man dann später sehen, jetzt galt es erstmal nur draufzuhalten.

Es war eine kleine Gruppe von Orcas, sogar mit Jungtieren wie man später sehen konnte. Eine fantastisches Erlebnis diese wilden Tiere in freier Natur beobachten zu können. Das Schauspiel dauerte ein paar Minuten, dann tauchten sie ab und waren nicht mehr zu sehen. Die Motoren wurden wieder gestartet und die Fahrt ging weiter. Ein paar Seemeilen später bekam unser Boot über Funk den Hinweis auf gesichtete Orcas in der Nähe. Der Kurs wurde dementsprechend angepasst und ab ging die wilde Fahrt. Wenig später hieß es wieder „Alle Motoren stopp!“. Rumdümpeln. Augen und Ohren offen halten. Und ganz unvermittelt tauchten sie wieder auf. Eine ähnlich große Gruppe. Diesmal taten mir einige Tiere den gefallen etwas länger an der Oberfläche zu bleiben und sogar gelegentlich zu einem kleinen Sprung anzusetzen. Die Speicherkarten in den Kameras glühten. Nur Augenblicke später war das Schauspiel dann wieder vorbei. Aber was hatten wir für ein Glück. Keine Stunde waren wir unterwegs und schon 2 Orca-Gruppen gesehen.

Die Frau am Steuer nahm anschließend Kurs auf eine kleine Felsengruppe in der Ferne. Je näher wir kamen, desto mehr wurde deutlich, dass sich auf den Felsen etwas regte. Als wir nah genug waren sahen (und rochen) wir eine Kolonie von Seelöwen. Sie veranstalteten ein ordentliches Getöse, wobei einige Tiere nur faul rumlagen und andere dafür das Maul um so größer aufrissen. Unser Boot dümpelte in langsamer Fahrt an dem großen Felsen entlang, so dass wir einen wunderbar freien Blick auf die Tiere bekommen. Nach ein paar Minuten drehten wir ab und steuerten einen weiteren etwas kleineren Felsen an. Auch hier war Leben drauf. Eine Gruppe von Seerobben hatte es sich hier auf dem harten Gestein gemütlich gemacht. Ein paar Fotos später mussten wir dann leider schon die Rückfahrt zum Hafen antreten. Wir suchten uns dafür luftige Plätze auf dem obersten Deck, etwas im Windschatten der Kapitänskabine. Aber das Wetter war traumhaft und so konnten wir die gesamte Fahrt über den herrlichen Blick auf die Küste genießen.

Zurück im kleinen Hafen von Tofino lieferten wir im Office unsere Regenjacken ab. Dieser Ausflug hatte sich auf jeden Fall gelohnt und alle unsere Erwartungen erfüllt. Es war zwar schwer aber er sollte ein paar Tage später noch übertroffen werden…
Hunger. Was gab es nach so einer Ausfahrt auf offenem Meer passenderes als das Sushi-Lokal “Sea Shanty” in Tofino aufzusuchen. Wir bekamen einen freien Platz auf der Außenterrasse mit wunderbarem Blick auf das Meer und die Berge. Das Sushi war hervorragend. Die Lachsstückchen hatten eine intensive Farbe, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Der krönende Abschluss für diesen aufregenden Ausflug.

Den letzten Tag in Tofino wollten wir nach dem Sushi ruhig ausklingen lassen. Was eignet sich dazu besser als ein Spaziergang am Strand, vor allem wenn es der „Lange Strand“ ist. Wir mussten die Zeit vor Ort einfach nutzen und sind nochmal zum Long Beach. Abhängen, die Seele baumeln lassen und die letzten Tage Revue passieren lassen.

Später ging es dann zurück zur Unterkunft. Leider, leider heiß es schon wieder Koffer packen. Tofino hat uns umgehauen. Diese kleine gemütliche Stadt, die atemberaubenden Strände und die unberührte Natur. Auf jeden Fall kommt es mit auf die Liste unserer Top-Kanada-Highlights. In diesem Sinne: „Gute Nacht, Tofino!“

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