Kanada, Tag 12: Icefield Parkway

Heute stand wieder eine größere Etappe auf unserem Tourenplan. Wir verließen Banff auf dem Highway 1 Richtung Norden und steuerten den Icefield Parkway an. Kurz hinter Lake Louis bogen wir auf den Highway 93 ab, eben besagten Icefield Parkway. Der Parkway gilt als eine der schönsten Fernstraßen der Welt und führt durch die Berglandschaft der kanadischen Rocky Mountains zwischen Lake Louise und Jasper. Die nächsten 230 km sollten wir auf diesem Highway entlangfahren, um am Ende Jasper zu erreichen.
Nach knapp 1 Stunde Fahrzeit gab es einen ersten kleinen Fotostopp am Herbert Lake. Ein kleiner See direkt neben dem Parkway gelegen. Seelenruhig lag er da, der See. Unter dicken grauen Wolken (Ja, das Wetter war wieder umgeschlagen) und mit Nebelschwaden bedeckt. Sehr mystisch anzusehen.
Wir fuhren weiter. Beim Blick auf die Berge wurde schnell klar, dass wir uns langsam aber sicher in höheren Rockygefilden bewegten. Die Berge um uns herum waren bereits alle mit Schnee bedeckt. Rund 40km später machten wir erneut halt. In der Zwischenzeit wähnte man sich komplett im falschen Film. Seit mehreren Kilometern beförderten die Scheibenwischer keine Regentropfen sondern Schneeflocken bei Seite und wir blickten in eine verschneite Landschaft. Auf den Bäumen lag bereits zentimeterdick der Schnee. Wir parkten am Peyto Lake bzw. auf dem zum Aussichtspunkt gehörigen Parkplatz, der auch schon einigermaßen gut besucht war. Bis zum Aussichtspunkt musste wir noch ca. 1,5km den Berg hochlaufen. Bei Temperaturen irgendwo zwischen 0 und 5 Grad. Hier in Kanada muss man echt auf alles gefasst sein. Wir erreichten den Aussichtspunkt und mussten ernüchternd feststellen, dass der Peyto Lake bei diesen Wetterverhältnissen kaum zu sehen war. Ein wenig schimmerte hier und da das türkisblaue Wasser durch die Nebeldecke aber ansonsten war leider nicht viel zu sehen.
Neben unserer Gruppe hatte es auch eine der vielen chinesischen Reisegruppen bis nach oben geschafft und brannte ein Feuerwerk der Selfie-Fotos ab. Das die jungen Leute sich mit ihren Stangen nicht gegenseitig die Augen ausstechen, kann man schon fast als Wunder bezeichnen. Ein Wunder in den asiatischen Augen waren aber vor allem die Körpergrößen von einigen Teilnehmern unserer Gruppe, die weit über dem asiatischen Durschnitt von 1,60m lagen. Auch mit diesen „Riesen“ wollte man ein Foto machen und alle wuselten aufgeregt um uns herum. Wir fühlten uns wie Superstars nur dass niemand ein Autogramm von uns haben wollte.
Auf dem Rückweg vom Plateau zum Parkplatz formte ich meinen ersten Schneeball im Sommer 2015 und versenkte ihn zielgerichtet in der Kapuze eines Mitreisenden. Es sind manchmal diese kleinen Erfolgserlebnisse, die das Leben versüßen.

Auf den folgenden 90km wurde der Schnee entlang der Straße wieder weniger und war schließlich nur noch an den Berghängen zu sehen. Wir passierten den Übergang zum Jasper Nationalpark und erreichten wenig später unser Mittagsetappenziel, das Columbia Icefield Discovery Center. Das Center liegt direkt gegenüber vom Columia Icefield, einem riesigen Gletscherausläufer. Wir hatten die Wahl zwischen Laufen zum Gletscher, Fahrt auf dem Gletscher mit einem riesigen Bus oder dem Gang über die Glasbrücke, dem Glacier Skywalk.
Der Skywalk bot in den Augen der meisten Teilnehmer das beste Preis-/Leistungsverhältnis und so orderte ich auf Geheiß von unserem Guide Andreas, der nicht mit rauf wollte, ein entsprechendes Gruppenticket am Schalter. Der nächste Bustransfer zum Skywalk sollte 30 Minuten später starten. Leider geriet die Wartezeit für Dani zur Tortour, da ihr Kreislauf plötzlich schlapp machte. Auch ein kurzer Gang vor die Tür an die frische Gletscherluft brachte keine Besserung, so dass ihr am Ende nichts anderes übrig blieb als im Center zu bleiben. Andreas nahm meine blasse Frau in seine Obhut, so dass ich sie erstmal in guten Händen wusste und einigermaßen beruhigt die Bustour zum Skywalk mit den anderen antreten konnte.
Die Fahrt dauerte gut 10 Minuten eher man am Eingang zum Skywalk rausgelassen wurde. Auf dem Weg zur gläsernen Aussichtsplattform waren allerlei Information rund um die Entstehung der Rockies und dem Gletscher angebracht. Ich zog es vor, direkt zur Plattform durchzustarten. Der Ausblick war eigentlich vielversprechend aber leider erneut mit dicken Wolken verbaut. Der erste Schritt auf den gläsernen Rundbogen kostete etwas Überwindung aber danach war’s auch schon nicht mehr schlimm. Der Glasboden war so milchig und verkratzt, dass man den 300m Abgrund unter sich eh nicht erkennen konnte. Cool war’s trotzdem!
Wenig später, als dann die breite Masse die Plattform stürmte, bewegte ich mich bereits wieder Richtung Busbahnhof. Meine Gedanken waren zwischendruch doch irgendwie immer bei meiner Frau. Daher wollte ich so früh wie möglich wieder zurück im Center sein. Der nächste Bus ließ aber noch auf sich warten und so trudelten in der Zwischenzeit auch anderer Mitglieder unserer Gruppe ein. Ca. 1 Stunde später öffneten sich die Bustüren unten am Icefield Center. Ich steuerte sofort das Restaurant an, weil ich Dani & Andreas hier vermutete. Niemand zu sehen. Also düste ich noch einmal quer durch’s Center bevor ich mich dann auf den direkten Weg zum Parkplatz machte. Schon irgendwie blöd so ohne Handyempfang. In unserem Camper war niemand und auch Andreas‘ Mobil war leer. Toll! Dann kam jemand aus unserer Gruppe auf mich zu und verklickerte mir, dass Andreas mich versuchte über Funk zu erreichen. Ich bekam dann kurz darauf bei uns im Camper die Info, dass mit Dani alles OK war und dass sich die beiden jetzt auch auf den Weg zum Parkplatz machen würden. Ich hatte sie wohl in dem Rummel im Center übersehen. Dank der fürsorglichen Pflege von Andreas bekam ich dann wenig später meine Frau mit gesunder Gesichtsfarbe zurück. Sie hatte in der Zwischenzeit etwas gegessen, mit Andreas das Center erkundet und einen wohl sehr coolen Film über den Gletscher gesehen. Alles gut!

Bis Jasper hatten wir jetzt noch ca. 100km vor der Brust und wir legten zwischendurch auch nur noch einen ganz kurzen Fotostopp ein. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto besser wurde auch das Wetter. Die dicken grauen Wolken verzogen sich und es kamen erste blaue Löcher zum Vorschein. Na also, geht doch!
In Jasper steuerten wir den Whistler’s Campground an und wurden zum ersten Mal mit der Situation konfrontiert, dass der Campingplatz überfüllt war. Es war Feiertag in Kanada und so gab es schon eine große Schlange vor der Einfahrt. Dort noch mit 10 Mobilen einen Platz zu bekommen, konnten wir uns abschminken. Stattdessen bekam unser Guide Andreas die Info, dass wir zu einem Overflow-Platz, also einem Ausweichplatz, fahren sollten. Der besagte Platz lag ca. 20km außerhalb von Jasper und bereits die Anfahrt auf Basis einer groben Skizze wurde zum kleinen Abenteuer. Als wir den Platz schließlich erreichten hatten wir auf dem riesigen Areal quasi noch freie Auswahl was den Stellplatz anbelangte. Kaum ein Camper hatte es sich bisher hier gemütlich gemacht. Wir errichteten eine Art Wagenburg und parkten die Camper im Versatz, um für den nötigen Windschutz im Innern der Burg zu sorgen. Das war auch bitter nötig, denn der Wind pfiff Waterton-like über’s Land. Aber…. kein Regen!

Wir entschieden uns für eine kleine Erkundungstour per pedes. Am Rande des großen Platzes stiefelten wir auch ein paar Meter ins Unterholz, waren uns dann aber nicht mehr so sicher, ob uns „der Bär“ bei dem Wind überhaupt rechtzeitig hören würde. Laut Reden und in die Hände klatschen würden vom Wind vielleicht weggetragen. Also lieber Rückzug auf den vermeindlich sicheren Platz. Wenige Meter weiter gab es einen Stellplatz, der zusätzlich mit einem Holztisch und Bänken ausgestattet war. Und auf eben diesem Holztisch stand eine große schwarze Reisetasche. Es war aber außer uns niemand zu sehen. Auf den zweiten Blick bemerkten wir noch eine große Kunststoffkiste mit allerlei komischen Utensilien, u.a. einer medizinischen Atemmaske und Schläuchen, etc. Was hatte das denn zu bedeuten? Man guckt einfach zu viele schlechte Filme denn sofort kamen einem diverse hässliche Verbrechensszenarien in den Sinn. Wir riefen in den Wald, ob jemand da sei oder ob jemand Hilfe bräuchte. Aber wir bekamen keine Antwort. Der Wald schwieg. Inzwischen hatten sich zwei weitere Mitglieder unserer Gruppe dazugesellt aber wir konnten uns auch zu viert keinen Reim auf diese Situation machen. Wir entschieden uns, unserem Guide von dem Fund zu berichten. Er beschloss noch eine zeitlang zu warten bevor er einen Ranger informieren würde. Manchmal würde Leute auch einfach etwas abstellen und dann irgendwann wiederkommen. In Kanada klaut ja eh keiner was. Nun gut, vielleicht waren wir einfach zu hysterisch und schlecht denkend. TV verseucht eben.

Der Abend brach dann ziemlich schnell über uns herein und irgendwie war man auch wieder müde vom Tag. Wir hatten ja auch schon einiges gesehen und erlebt. Nach den obligatorischen Absackern in kleiner Runde zogen wir uns auch recht früh in unsere mobile Behausung zurück. Wir konnten inzwischen auch beruhigt sein, was die Frage nach der schwarzen Reisetasche betraf. Ein hippiemäßig angehauchter VW-Bulli parkte inzwischen am fraglichen Stellplatz und damit war für uns die Sache dann auch erledigt. Ich nutze kurze Zeit später nochmal die Gelegenheit um ein paar Aufnahmen vom Sternenhimmel zu schießen aber wirklich erfolgreich war ich diesmal nicht. Naja, morgen war auch noch ein Tag und bis dahin sagten wir: Gute Nacht, Jasper!

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